Flüchtlinge ziehen ins Kolpingheim

Von unserem Redaktionsmitglied Judith Aundrup

Greffen (gl). Die Nachricht von der Stadt ist überraschend gekommen: Bis zum 15. November müssen die Greffener Kolpingsfamilie und der Spielmannszug In Treue fest das Kolpingheim an der Schulstraße räumen. Der Grund: Zwischen 15 und 20 Flüchtlinge sollen dort nach der Renovierung eine Bleibe finden.

„Am Montag hat mich die Bürgermeisterin angerufen und mir mitgeteilt, dass wir bis Mitte des Monats die Schränke ausräumen und unser Inventar entfernen müssen“, sagt die Vorsitzende der Kolpingsfamilie, Hedwig Wiedenlübbert, auf Nachfrage der „Glocke“. Und sie ergänzt: „Über einen Zeitraum von 40 Jahren hat sich einiges angesammelt.“ Das Mobiliar – Tische und Stühle – könne die Kolpingsfamilie im Kellerraum der Grundschule zwischenlagern.
Die 100 Mitglieder starke Greffener Kolpingsfamilie kommt jetzt erst einmal im Pfarrheim St. Johannes unter, wie Hedwig Wiedenlübbert sagt. Einmal im Monat trifft sich der Vorstand. Hinzu kommen einige Veranstaltungen im Jahr und die Jugendangebote. „Wann wir wieder ins Kolpingheim zurückkehren können, steht in den Sternen. Dazu konnte die Stadt keine Aussage machen“, so Hedwig Wiedenlübbert, die deutlich macht, dass die Kolpingsfamilie etliche Renovierungs- und Isolierungsarbeiten in dem Gebäude der Stadt gestemmt habe. Im Zuge des Umbaus für die Flüchtlinge werde auch die alte Theke herausgerissen.
Der Greffener Spielmannszug In Treue fest hat ebenfalls am Montag von den Plänen der Stadt erfahren. „Ja, wir müssen unseren Probenraum aufgeben“, sagt der Vorsitzende Mario Fritsche (Bild), der sich bereits mit dem Vorstand der Kolpingsfamilie über das weitere Vorgehen ausgetauscht hat. „Nächsten Dienstag werden wir im Kolpingheim vorerst unseren letzten Übungsabend abhalten“, so Fritsche. „Übergangsweise bot uns Berno Keuper von der St.-Johannes-Gemeinde an, dass wir erst einmal das Pfarrheim für unseren Übungsabend nutzen können. Wie lange, das steht noch nicht fest“, betont Fritsche.
Die Musiker üben seit Anfang 1991 im Kolpingheim. Aktuell proben dort 39 Aktive. Hinzu kommen 9 Jugendliche in der Ausbildung. „Das Kolpingheim war für uns ein optimaler Übungsort. Wir nutzen den Saal und je nach Bedarf den Vorraum, um parallel in Kleingruppen zu üben.“ Geprobt wird jeden Dienstag von 20 bis 21.30 Uhr sowie drei mal wöchentlich mit den Jugendgruppen.

„Wir werden das Beste daraus machen“

Greffen (jau). „Nach gut 25 Jahren wird das für uns natürlich eine Veränderung. Aber wir stecken den Kopf nicht so schnell in den Sand und werden das Beste daraus machen. Veränderungen sind ja nicht immer negativ, sondern bieten Platz, um feste Strukturen aufzubrechen und neu zu ordnen“, macht Mario Fritsche deutlich.
Der Spielmannzug wird am Dienstag, 10. November, die letzten Instrumente und Utensilien abholen. Wann die Musiker ins Pfarrheim umsiedeln, muss noch geklärt werden. „Des Weiteren haben wir der Kolpingfamilie Greffen unsere Unterstützung beim Ausräumen angeboten. Wir schauen nicht weg, sondern packen mit an“, macht Mario Fritsche im Gespräch mit der „Glocke“ deutlich.

Quelle: Die Glocke | Ausgabe: Gütersloh | Harsewinkel | 06.11.2015 | Seite 23